Ägypten

 

-Der Nil ist die Lebensader von Ägypten -

 

 

 

„Ägypten - das Geschenk des Nils“, so beschreibt Herodot das immer noch das geheimnisumwobene Land der Pharaonen und Pyramiden. Der Nil war und ist lebensnotwendig für Ägypten und entschied über fruchtbare Jahre oder Hungersnöte. Durch seine jährliche Überschwemmung brachte er fruchtbaren Nilschlamm, der das sonst öde Land wirtschaftlich machte. Der Nil bestimmte auch das Leben der alten Ägypter, sie studierten und analysierten ihn mit großer Sorgfalt. Die meisten Dörfer befanden sich am Nil, da hier eine gute Wasserversorgung zu erwarten war. Durch zwei riesige Wüstengebiete im Osten und Westen eingeschlossen und nach Süden und Norden hin von Gebirgen bzw. dem Mittelmeer eingeschlossen, waren große Teile Ägyptens vor feindlichen Angriffen geschützt. So konnte sich eine herausragende Kultur entwickeln, die noch heute unvergessen und voller Rätsel und Geheimnissen ist.

Die Tempel von Ägypten

 

Hatschepsuttempel

Dieser einmalige, aus feinem Kalkstein erbaute Terrassentempel der Königin Hatschepsut befindet sich in Deir-el-Bahari. Er wurde in nur 15 Jahren erbaut. Senenmut, der Geliebte der Hatschepsut und herausragender Baumeister, wird einen nicht unbedeutenden Teil zu diesem Tempel beigetragen haben, gesichert ist diese Annahme jedoch nicht.

Nach neuesten Erkenntnis wurde der Bauplan des öfteren geändert. Eventuell wurde der Bau bereits unter Thutmosis II. begonnen und von Hatschepsut vollendet.

Vom Taltempel führte eine 37 Meter breite Aufwegstraße zum eigentlichen Tempel, der in einen weiten Vorhof mündet. Dahinter führt eine mächtige Rampe auf eine von zwei Kolossalstatuen flankierte erste Terrasse. Hier befindet sich in der Nordwestecke ein Anubis-Heiligtum mit geheimnisvoll dunklen Kultkammern. Das eigentliche Heiligtum befindet sich auf der zweiten Stufe. Seine breite Pfeilerfront wird von 26 kolossalen Statuenpfeilern mit Porträts der Königin gebildet. Hinter sage und schreibe 63 Pfeilern befindet sich der Kultbildraum für Amunre sowie für die Königin. Südlich des Pfeilersalles liegen zwei riesige Totenopfersäle für die Pharaonin und ihren Vater Thutmosis I. Nördlich gibt es einen offenen Kulthof, der ein Sonnenheiligtum darstellt.

Südlich neben dem Haupttempel liegt ein selbstständiges Hathor-Heiligtum mit besonders schönen Hathor-Kapitellsäulen.

Noch bin in die Ptolemäerzeit wurde der Tempel genutzt und später in das koptische Epiphanias-Kloster umgewandelt. 1858 wurde das Bauwerk von Mariette freigelegt und instandgesetzt.



 

Kom Ombo


Dieser aus der Ptolemäerzeit stammende Tempel zählt zu den schönsten der sechs noch stehenden ptolemäerzeitlich-römischen Tempel. Er war den Göttern Sobek und Horus geweiht.

Einer Planskizze J.-Ph. Lauers zu folge geht man davon aus, dass der Tempel in mehreren Etappen erbaut wurde. Begonnen wurde mit dem Tempelhaus, wahrscheinlich unter Ptolemäus VI. Dieses wurde inklusive es Innenhofes von einer steinernen Umfassungsmauer umgeben. Bei dem alten nilseitigen Eingang handelte es sich um ein Doppelportal. Hinter dem Hof befand sich das Tempelhaus, vor dem 12 herrliche Säulen standen. Die Durchgänge liegen in diesem Fall nicht im Mittelgang sondern symmetrisch neben der Mittelachse. Durch einen Vorsaal (2 x 5 Säulen) und drei Vorsäle gelangt man zu den Sanktuaren.

Der Tempel wurde 1893 unter der Leitung von J. de Morgan freigelegt, eine baugeschichtliche Aufnahme und Studie gibt es allerdings noch nicht.


  
 
Abu Simbel


Die beiden in Fels gehauenen Ramsestempel stellen den Höhepunkt der Bauaktiviät von Ramses II. dar und wurden ca. 1260-1255 v. Chr. geweiht. Der größere, 60 Meter tief in den Sandstein gemeißelte Tempel, ist Amunre, Horus und dem vergöttlichten Ramses und Ptah geweiht. Der kleinere Tempel ist Hathor und der Königin Nefertari gewidmet und reicht 21 Meter in das Felseninnere. Auffallend und bekannt sind die 22 Meter hohen Kolossalstatuen Ramses II.

Das Sonnenheiligtum ist ein Meisterwerk der damaligen Baukunst, denn genau zwei mal im Jahr, am 20. Februar und am 20. Oktober, werden die dort stehenden vier Kultbilder durch die aufgehende Sonne völlig ausgeleuchtet, während des restlichen Jahres bleibt dieses Heiligtum dunkel.

Bereits in der Regierungszeit Ramses II wurde der größere Tempel durch ein Erdbeben stark beschädigt, so dass aufwendige Reparaturen notwendig wurden.

Am 22. März 1813 besuchte Johann Ludwig Burchkardt als erster Europäer die beiden Felstempel. In einer bisher einmaligen Aktion wurden die beiden Tempel 1964-1968 vor den steigenden Fluten des Nasser-Sees gerettet und auf einer dahinter liegenden Anhöhe erneut aufgebaut. Obwohl hierdurch ein Teil des originalen Flairs vernichtet worden sein soll, zählt Abu Simbel noch heute zu den Hauptattraktionen Ägyptens.


  
  
Karnak (Amun-Bezirk)


Dieser wohl einmalige Tempel befindet sich in der Nähe von Luxor

Dieser Bereich umfasst eine Größe von 123 Hektar und diente als Schauplatz für viele Feste der Ägypter. Unter anderem wurde hier einmal im Jahr das Opet-Fest veranstaltet. Auch Krönungen und Sed-Feste fanden hier statt.

Genauer betrachtet ist der Amun-Bezirk das Werk mehrerere Pharaonen. Unter Thutmosis I. erreichte Karnak seine eigentlich Glanzzeit, die bis zur 20. Dynastie dauerte. Er baute den berühmten Säulensaal, Hatschepsut und Thutmosis III erweiterten den Bezirk um eine neue mit Türmen befestigte Zeigelumfassungsmauer. Von Thutmosis III wurde auch der riesige heilige See auf die heutigen Ausmaße vergrößert. Zusätzlich wurde nördlich außerhalb der alten Umfassungsmauer ein kleiner Ptah-Tempel errichtet. Im Haupttempel wurde vor dem Sesostris I.-Tempel ein prachtvoller Vortempel erbaut.

Hatschepsut errichtete hier ihre 30,43 Meter hohen Obelisken, die jedoch von Thutmosis III durch eine Ummantelung verdeckt werden sollten. Thutmosis III erbaute noch fünf weitere Obelisken für Karnak. Der weiter im Osten stehende Obelisk war mit einer Höhe von 33 Meter nach heutigem Wissen der höchste in Ägypten errichtete Obelisk. Sein Oberteil steht heute vor dem Laterna in Rom. Auch im Osten dieses Bereiches wurde Thutmosis III. aktiv. Er baute dort ein Gebäude mit recht ungewöhnlichem Umriß, der sich wohl aus Platzgründen quer zur alten Tempelachse erstreckt.

Nach der Unterbrechung durch die Armana-Zeit wurde unter Tutenchamun und Haremhab die Bautätigkeit in Karnak wieder aufgenommen. Aus dieser Zeit stammt auch der 35 Meter hohe und 98 Meter breite 2. Pylon. Wesentliche Veränderung brachte die Errichtung des berühmten Hypostyls im hof, das wohl unter Haremhab begonnen und unter Sethos I. und Ramses II. fertiggestellt wurde. Weiterhin wurde eine Widder-Sphingen-Allee angelegt. Auch nach Osten wurde der Tempel durch ein wichtiges neues Element erweitert. Ramses II. errichtete ein Heiligtum der aufgehenden Sonne, in dessen Mittelpunkt der einzelne, riesige Obelisk Thutmosis III. stand. In der Südwestecke des Amun-Bezirkes ließ er anstelle eines Vorgängerbaues der 18. Dynastie einen neuen Chons-Tempel bauen, an dessen Dekoration noch bis in die Ptolemäerzeit gearbeitet wurde.

Sethos II. ließ eine dreizellige Barkenstation errichten und unter Ramses III. entstand ein größeres Barkenheiligtum in Form eines vollständigen Tempels. Der Tempelvorplatz wurde dann unter Scheschonk I. zu einem Säulenvorhof geschlossen.


 

Luxor-Tempel


Wie der Name schon sagt, befindet sich dieser berühmte Tempel in der Stadt Luxor selbst, unweit vom Nil entfernt. Eine 2,5 km lange Sphingen-Allee verbindet ihn mit dem Karnak-Tempel - ein Hinweis darauf, dass dieser Tempel in Verbindung mit dem Opet-Fest zu sehen ist, das jährlich im zweiten Überschwemmungsmonat gefeiert wurde.

Unter den Ägyptologen gilt dieser Tempel als "ungewöhnlich", da bereits die ungewöhnliche Orientierung des Tempels nach Norden (zum Karnak-Tempel) auffällt und seine Dekoration unübliche Züge aufweist. So sind bis heute die inzwischen stark zerstörten Raumfluchten entlang der Westseite des Tempels noch nicht gedeutet.

Im Mittleren Reich und der Thutmosidenzeit wurde bereits das Tempelhaus errichtet. Teilweise sieht man noch Überbleibsel in den Wänden des Neubaus. Der 4 x 4 Säulen große Saal wurde von Amenophis III. errichtet und bildet die Front des Tempels. Der letzte, von Tutanchamun und Haremhab  vollendete Bauteil ist die berühmte Kolonnade von 2 x 7 Papyrus-Kapitellsäulen.

Ramses ÍI. errichtete unter anderem einen Säulenhof und 2 Obelisken, von denen einer heute in Paris auf dem Place de la Concorde steht. Weiterhin findet man von ihm erbaute 16 Ka-Statuen. Amenophis III fügte noch fünf weitere Granitkolosse hinzu, womit der Tempel eine Länge von 254 Metern erreicht.

Bei der Freilegung des Tempels (ab 1885) wurden 21 zum Teil unbeschädigt erhaltene Königs- und Götterstatuen gefunden, die heute im Luxor-Museum zu finden sind.

 


Die Götterwelt

Die Entstehungsgeschichte der Götterwelt:

Am Anfang war ein riesiger Ozean, aus welchem die geordnete Erde entstand. Und es tauchte ein Urhügel auf, aus dem der Sonnengott Re geboren wurde. Re gebar die Zwillinge, Schu (Luft) und Tefnut (Wasser). Die beiden Kinder vereinigten sich und zeugten Geb (Erde) und Nut (Himmel). Von diesen beiden wiederum entstanden gleich vier Nachkömmlinge: Osiris (Fruchtbarkeit), Isis (Fruchtland), Seth (Dürre) und Nephthys (Wüste). Osiris wird von seinem Bruder Seth aus Neid ermordet und in den Nil geworfen. Isis, seine Gemahlin und Schwester findet jedoch keine Ruhe und entdeckt den Leichnam schließlich in Byblos, wo er an Land gespült worden war und rettet somit seine Seele. Hierdurch wird Osiris zum Gott der Toten, zum Symbol der Auferstehung und des ewigen Lebens.
 

Allgemeines:
Das zutiefst gläubige Ägypten kannte eine Vielzahl von Göttern, deren Eigenschaften und Zuständigkeiten sich im Laufe der verschiedenen Epochen verändert haben. Auch hatte jede Region zusätzlich seine eigenen Götter. Beschäftigt man sich mit der ägyptischen Götterwelt, so stellt man sehr schnell fest, dass man nicht einfach jedem Gott eine Funktion zuordnen kann, so wie man es z. B. von den griechischen Göttern kennt. Bei den Ägyptern können mehrere Götter die gleiche Funktion haben, z. B. die Sonnengötter Re und Amun. Hinzu kommt, dass sich der Sonnengott je nach Tageszeit in unterschiedlichen Gestalten zeigt. Am Morgen taucht er in Skarabäusgestalt auf, am Mittag wird er als Re dargestellt (menschlich mit Falkenkopf - nicht zu verwechseln mit dem Falkengott Horus) und abends nimmt er die Gestalt eines älteren Mannes an. Eine "Sortierung" der Götter nach Wirkungsbereich bzw. Gestalten ist von daher nicht möglich.

 

Bevor Ägypten vereinigt wurde, gab es in den einzelnen Siedlungsgebieten sogenannte Ortsgottheiten, die im übrigen Land unbekannt waren. Einige von ihnen konnten sich später im ganzen Land durchsetzen. Trotzdem wurden die lokalen Gottheiten weiterhin verehrt. Im Laufe der Jahrtausende änderten sich die Hauptgötter je nach Zeitalter. So stieg z. B. Amun, der bis zum Mittlere Reich noch recht unbekannt war, im Neuen Reich mit Beginn der 18. Dynastie - u. a. aus politischen Gründen - zum Reichsgott auf.

Einige Hauptkultstätten im alten Ägypten und deren Lokalgötter:
 

Ort:

Lokalgott:

Abydos

ein Schakal, später Osiris

Bubastis

Bastet

Busiris

Seth

Buto

Wadjet, später Horus

Dendera

Hathor

Edfu

Horus

Elephantine

Chnum

Heliopolis

Atum oder Re

Hermopolis

Thot

Koptos

Min

Memphis

Ptah und Sachmet

Ombos

Seth

Sais

Neith

Tanis

Onuris

Theben

Amun


Diese Götter konnten sich im ganzen Reich durchsetzen: 
  
      

Aton

 

 

Hator

     

 

 

ist die Göttin der Freude, des Tanzes und der Liebe und der Fruchtbarkeit, manchmal tritt sie neben Nut auch als Himmelsgöttin auf. Sie wird als Kuh dargestellt, manchmal auch in Menschengestalt mit Kuhhörnern. Später wurde noch die Sonnenscheibe zwischen ihre Hörner gesetzt. Ein großes Hathor-Heiligtum befindet sich in Abu Simbel, die Hauptkultstätte befindet sich jedoch in Dendera, wo ihr von den Ptolemäern ein Tempel errichtet wurde. Hathor ist eine Tochter des Re und soll auch mit ihm einen Sohn, Horus, gezeugt haben. Als gütige Göttin genoss Hathor ein großes Ansehen.

Isis

 

Die treueste Gefährtin des Gottes Osiris ist Isis - seine Frau. Sie ermöglichte nach einem Schöpfungsmythos seine Wiederauferstehung nach seinem Tode durch Seth und erreichte nach vielen Kämpfen, dass ihr Sohn Horus den Thron des Vaters erlangte, was Seth zu vermeiden versucht hatte. Oft wird sie als Vogel dargestellt, der seine Flügel schützend über Osiris ausbreitet. Isis werden große Zauberkräfte nachgesagt, weshalb viele Zaubersprüche ihren Namen nennen. 
                                                                       


 

Nephthys


Diese Schwester von Isis, Osiris und Seth war ursprünglich eine heliopolitanische Totengöttin. Sie wird als Frau mit der Hieroglyphe "Herrin des Hauses" auf dem Kopf dargestellt. Sie hält in der einen Hand das Lebens-Zeichen "Anch", in der anderen Hand einen Papyrusstab.
 
 

Nut


ist die Himmelsgöttin aus der Schöpfungslehre von Heliopolis, Gemahlin des Geb und Mutter von Osiris, Isis, Nephthys und Seth. Sie verkörpert den täglichen Sonnenverlauf , indem sie morgens die Sonne gebiert und abends wieder verschlingt. Dargestellt wird sie als Frau, deren Körper mit Sternen bedeckt ist. Sie berührt immer den Boden mit Händen und Füßen und stellt so den Himmel dar. Weiterhin galt sie als Mutter des Sonnengottes Re, da sie ihn jeden Abend in sich aufnahm um ihn am nächsten Morgen wiederzugebären.
 
   

 


 

Seth

Seth ist der Gott des Unfriedens, des Chaos, des Krieges. Schon die oben beschriebene Schöpfungsgeschichte macht dies deutlich. Dargestellt wird er als undefinierbares Tier mit eckig abgeschnittenen Ohren, einer langen Nase und einem hochgestellten, pfeilartigen Schwanz. Obwohl er in der ägyptischen Geschichte als "negativer" Gott auftritt, gelangt er unter Sethos I. (19. Dynastie) endlich zu Anerkennung, da dieser Pharao das fast Unmögliche wahr macht: er versöhnt die Götter Seth und Osiris. 

Thot

Dieser Gott wird als Pavian oder Ibis dargestellt, oft mit Schreibzeug. Er ist der Gott der Weisheit, der Wissenschaften und gilt auch als Erfinder der Schrift. Deshalb schreibt er das Ergebnis beim Totengericht auf. Thot galt außerdem als Wächter der Toten, denen er auf ihrer Reise durch die Unterwelt zur Seite stand. 
 


 


Totenkult

Dem Totenkult der Ägypter lag der Gedanke zugrunde, dass der Mensch mehr ist als nur ein Körper, nämlich ein Wesen, dessen Seele über den Tod hinaus in einer ähnlichen Welt weiter lebt.

Bevor der Tote jedoch ins Jenseits gelangen konnte, musste er vor das Totengericht treten

 


Das Totengericht

Zunächst musste er von seinem Leben berichten und darlegen, dass er ausschließlich Gutes getan hat und ihm keine Sünden vorzuwerfen sind. Nun legt Anubis das Herz des Verstorbenen auf eine Waage und wiegt es gegen eine Feder der Maat, der Göttin der Gerechtigkeit, auf. Ist das Herz schwerer als die Feder, wird der Verstorben von einem Krokodil verschlungen, er ist für immer tot und wird nicht im Jenseits weiterleben. Bleibt die Waage jedoch im Gleichgewicht, wird der Tote von Horus, der das Anch-Zeichen, den Schlüssel des Lebens in der Hand hält, zu Osiris geführt. Nun kann der Tote ins Jenseits gehen und dort ein unbeschwertes Leben führen.

Die Ägypter vertraten die Meinung, dass der Mensch mehrere Seelen besitzt. Drei von ihnen spielten eine besondere Rolle: Die Ka-Seele, die Ba-Seele und die Ach-Seele.

Unter dem Ka stellte sich der Mensch eine Art Schutzgeist bzw. körperlosen Doppelgänger vor. Er spendet Lebenskraft und begleitet den Menschen auf seinem Lebensweg und gibt ihm auch nach seinem Tode Kraft. Dargestellt wird der Ka durch zwei abgewinkelt erhobene Arme auf dem Kopf der zu beschützenden Person.

Das Ba verkörpert dagegen die unverwechselbaren Charaktereigenschaften eines Menschen, die Persönlichkeit. Meistens wurde dieses Seele als Vogel dargestellt, der beim Tode den Körper verlassen konnte um frei herumzufliegen. Ihr war es jedoch jederzeit möglich, wieder in den Leichnam zurückzukehren. Dies war natürlich nur dann möglich, wenn der Körper nach dem Tod gut erhalten blieb und nicht durch die Verwesung entstellt wurde. Aus diesem Glauben heraus entwickelten die Ägypter den unvergleichlichen Mumienkult.

Die Ach-Seele versinnbildlichte die enge Verbundenheit des Menschen mit dem Jenseits. Nach dem Tod wacht sie über das Grab und den guten Ruf des Verstorbenen und gilt als Rachegeist, wenn jemand die Totenruhe stört. Dargestellt wurde die Ach-Seele in der Gestalt des Schopfibis mit dunkelglänzendem Gefieder.

Nach ägyptischer Vorstellung lebten die Verstorbenen im Jenseits so wie zu Lebzeiten. Wer im Diesseits als Bauer tätig war, übte diesen Beruf auch nach seinem Tode aus. Viele Grabstätten lassen erkennen, wie ernst die Ägypter es mit dem Leben nach dem Tod hielten, indem sie ihre Gräber wie ihre Wohnung gestalteten. Damit es dem Verstorbenen an nichts fehlt, gab es auch hier mehrere Räume, die durch (Schein-)türen miteinander verbunden waren. Nischen und herrlich bemalte Wände rundeten das Ambiente ab. Zur Versorgung des Toten wurden ihm auch Nahrungsmittel und Spiele zu seiner Unterhaltung mitgegeben.

Eine wichtige Frage zu Lebzeiten der Pharaonen war die Wahl ihrer Totenstätte, ihres Grabes. Es musste ein geeigneter Standort gefunden werden, der genug Platz für ein geräumiges Grab bot und möglichst versteckt lag um Grabräuber fern zu halten. Sobald der Standort festgelegt war, fanden Zeremonien statt. Nun konnte die eigentliche Arbeit beginnen. Falls der Pharao vor Beendigung des Grabes starb, wurden die Arbeiten so weit wie möglich bis zum Begräbnis weitergeführt, danach wurde das Grab unvollendet versiegelt.

Aus den Funden im Grab Tutanchamuns wird deutlich, welchen unermesslichen Reichtum die Ägypter ihren Pharaonen mit auf den letzten Weg gaben. Obwohl die meisten Königsgräber bereits in antiker Zeit geplündert wurden, kann man anhand von Wandzeichnung oder Überresten rekonstruieren, welche Grabbeigaben üblich waren:

Die Mumie ruhte in einem Sarg aus vergoldetem Holz oder Edelmetall und war gewöhnlich in ein bis zwei weiteren Särgen eingeschlossen. Hierbei wandelte sich die Sargform von einer hausähnlichen Konstruktion im bis zu einer menschlichen Form ab dem Mittleren Reich. In keinem Grab durften die vier Kanopenkrüge fehlen, die Behälter für Leber, Lunge, Magen und Gedärme. Diese Kanopenkrüge wiederum wurden in einer Kanopentruhe untergebracht. Damit der Tote den Komfort des Diesseits genießen konnte, wurden ihm Unmengen an Alltagsgegenständen mitgegeben. Diese reichten von Kleidern und Parfüms über Geschirr und Nahrung bis zu Spielen und Musikinstrumenten, damit es dem Toten an nichts fehlen würde. Natürlich fehlte auch das Mobiliar nicht. 

Im Laufe der Zeit wurden viele tatsächliche Totenspenden von Figuren abgelöst, den sogenannten Uschebtis. Diese Figürchen standen dem Verstorbenen zur Verfügung und erfüllten die Aufgabe, die sie darstellten, gerade so, als würde es sich hier um Lebewesen handeln. So standen dem Pharao auch im Jenseits Feldarbeiter und Soldaten zur Verfügung.


 

Götterwelt

Totenkult

Mumien


 

Mumien

    

Obwohl auch in anderen Kulturen der Mumienkult gepflegt wurde (z. B. in Peru), denken die meisten Menschen zuerst an die Mumien des Alten Ägypten. Dies ist kein Wunder, denn deren Technik der Einbalsamierung und Mumifizierung war im Laufe der Jahre zur Perfektion herangereift, so dass wir heute, 3000 Jahre später,  noch immer sehr gut erhaltene Mumien finden und bewundern können. Eine schöne Sammlung von Mumien gibt es im Ägyptischen Museum Kairo, wo unter anderem die bekannte Mumie Ramses II. ausgestellt ist. 
 
 

 

 

 1. Entstehung und Entwicklung der Mumifizierung
 2. Moderne Mumienforschung

    a. Einführung

    b. Feststellung von Krankheiten

    c. Ungereimtheiten

 

1. Entstehung und Entwicklung der Mumifizierung
Das Mumienwesen hat sich aus dem altägyptischen Totenglauben heraus entwickelt, der besagt, dass der Körper eines Menschen auch nach dem Tod erhalten bleiben muss, damit die Ba-Seele seinen "Besitzer" wiederfindet. Bis die Kunst der Mumifizierung jedoch die uns bekannte Perfektion erreicht hatte, war es ein langer Weg. Bis in die Anfangsphase des Alten Reiches wurden die Verstorbenen bestenfalls einbalsamiert, d. h. mit allerlei Essenzen, Kräutern, Salben und Ölen eingerieben. Anschließend wurde der Leichnam in Binden gewickelt - in der Annahme, der Körper kann so die Zeit überdauern.

Erst in der 4. Dynastie entdeckten die Ägypter, dass der Körper dem Verfall länger entgeht, wenn man ihm die Eingeweide entnimmt. Hiermit war der erste Schritt zur wirklichen Mumifizierung getan. Zu Beginn des Mittleren Reiches kam man auf die Idee, den Körper mit trockenem Natron zu behandeln. So wurde dem Gewebe des Körpers viel Wasser entzogen, allerdings nicht vollständig. Hierdurch wurde der Verfall des Leichnams jedoch bereits stark hinausgezögert. Ein weiterer Schritt der Mumiefizierungstechnik war die Entnahme des Gehirns aus dem Schädel durch die Nase. Nach heutiger Kenntnis wurde dieses Verfahren zunächst bei Verstorbenen der höheren sozialen Schichten angewendet. Erst im Neuen Reich wurde es Standart, sowohl Eingeweide als auch das Gehirn zu entfernen.

Mumien aus dem Alten Reich sind uns kaum erhalten geblieben, da die Technik zum Erhalt des Körpers noch nicht gut genug ausgereift war. Obwohl die Leinenbinden, in die der Leichnam gewickelt wurde meist noch in relativ gutem Zustand waren, waren vom Körper nur noch das Skelett und Hautfetzen über, die jedoch sehr leicht zu Staub zerfielen. Die Mumien des Neuen Reiches dagegen sind teilweise in sehr gutem Zustand erhalten geblieben, so dass uns viele Rückschlüsse auf die Person möglich sind.

Das oben beschriebene Ritual der Einbalsamierung wurde von einem mit der Schakalmaske des Totengottes Anubis bekleideten Priesters durchgeführt. Nach seinen Anweisungen wurden dem Verstorbenen die Organe entnommen, der Körper in Natronlauge entsalzen und nach 70 Tagen in Leinenbinden gewickelt. Dutzende von Amuletten und magischen Gegenständen wurden in die Leinenbinden gewickelt, damit der Verstorbene sicher ins Jenseits gelangte und dort sein neues Leben beginnen konnte. Die Mumie wurde nun in einen Sarg gelegt und an den Bestattungsort gebracht, wo das so genannte Mundöffnungsritual vollzogen wurde. Hierzu wurde der Sarg und der Verstorbene mit heiligen Instrumenten berührt, damit die Seele in den Leib zurückkehren konnte und den Toten im Jenseits neu beleben kann.

Während der 70 Tage dauernden Prozedur der Mumifizierung wurden für den Toten sämtliche Grabbeigaben in die letze Ruhestätte gebracht, eventuell wurden schnell letzte Hieroglyphen in die Wände gemeißelt und die Wände verziert. Dass 70 Tage nicht viel Zeit sind, kann man deutlich in einigen Pharaonengräbern erkennen, wo der Pharao vorzeitig verstorben war und das Grab noch nicht fertig war. Eine Katastrophe!

 

 


 

2. Moderne Mumienforschung
a. Einführung
Obwohl viele Mumien, gerade die des Neuen Reiches, recht gut erhalten sind, geben diese uns bei ihrem Fund Rätsel auf. Wer ist der Verstorbene? Wann hat er gelebt? Nicht immer sind Amulette mit dem Namen des Verstorbenen mit der Mumie gefunden worden, die eine eindeutiges Identifizieren der Person möglich machen bzw. erleichtern. Woran ist die Person gestorben? Fragen, auf die Wissenschaftler eine Antwort suchen um noch mehr Licht in die altägyptische Geschichte zu bringen.

Die Anfänge der Mumienforschung vor vielen Jahren mussten den Mumien regelrecht zu Leibe rücken um an die gewünschten Informationen über den Verstorbenen zu kommen. Die Mumien mussten ausgewickelt werden und wurden sogar mit einem Skalpell aufgeschnitten. Doch mit diesem Methoden konnten nur relativ wenige Erkenntnisse über den Toten herausgefunden werden. Außerdem litt oft der Zustand der Mumien unter dieser Prozedur.

Die Entdeckung der Röntgenstrahlen war für die Ägyptologie ein entscheidender Durchbruch. Röntgen statt Aufschneiden war nun angesagt. Nun konnte man die Mumie im Originalzustand durchleuchten und anhand des Knochenbildes das Geschlecht der Mumie bestimmen. Auch Knochenabnutzungen und der Zustand der Gelenke und Zähne ließ sich so feststellen, ohne die Mumie von den Binden zu befreien. Heutzutage werden Mumien auch mit Hilfe der Computertomographie von Kopf bis Fuss millimetergenau untersucht. Die Daten der Computertomographie dienen heute auch dazu, das Gesicht des Verstorbenen zu rekonstruieren, indem man die Ergebnisse in einen Computer einspeist, der die Kopfform berechnet und ein dreidimensionales Bild erstellen kann.

Weiterhin werden Mumien auf die Blutgruppe untersucht. Dies geschieht mit Hilfe einiger Gewebeproben, die unter das Elektronenmikroskop gelegt werden. Anhand der roten Blutkörperchen kann nun die Blutgruppe bestimmt werden.

Das Alter zum Zeitpunkt des Todes läßt sich am genauesten mit der 14-C-Methode feststellen. Hierbei kann eine Genauigkeit von plus/minus 50 Jahren erreicht werden. Eine winzige Gewebeprobe wird der Mumie entnommen. Mit einem Massenspektrometer werden alle Atome, die zu einer Gewichtsklasse gehören, separiert; 14-C ist das schwerste und seltenste. Je weniger 14-C vorhanden sind, desto älter ist die Mumie. Dies hört sich relativ einfach an, die Apparatur hierfür ist jedoch recht kompliziert.

b. Feststellung von Krankheiten
Ein weiterer Schritt bei der Mumienuntersuchung ist die Forschung nach Krankheiten des Verstorbenen und der Todesursache. Hieraus lassen sich Rückschlüsse auf das Leben des Toten ziehen, die uns auch Aufschluss über das damalige Leben geben. Zunächst wird hierzu der Körper auf pathologische Veränderungen untersucht. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der verkrüppelte Fuß des Pharaos Siptah, der scheinbar an Kinderlähmung litt. Zu dieser Untersuchung gehört auch die Arthrose und Arterienverkalkung.

Nun kann man noch nach Erregern für Krankheiten suchen. Hier wird ein besonderes Augenmerk auf Parasiten oder Würmer geworfen, da diese scheinbar zur Zeit des Alten Ägypten sehr verbreitet waren - und dies nicht nur in den sozial niedrigeren Schichten. Auch heute noch ist die Bilharziose, eine durch
Schistosmoma-Würmer hervorgerufene Erkrankung, keine Seltenheit in Ägypten. Seit einigen Jahren wird auch die DNA untersucht um genetische Veränderungen auszumachen.

Ein dritter Weg, Krankheiten zu identifizieren, ist die Untersuchung der im Gewebe noch vorhandenen Antikörper. Hierbei macht man sich die Eigenschaft des Körpers zu nutzen, dass er bei einer auftretenden Krankheit Antikörper bildet um die Krankheit bekämpfen zu können. Diese Antikörper lassen sich oft noch nach Jahrtausenden finden und geben genaue Auskunft, an welchen Krankheiten der Tote zu Lebzeiten gelitten hat.

c. Ungereimtheiten
So schön es sich auch mit der modernen Mumienforschung anhört - viele Fragen bleiben leider offen. Nicht alle Königsmumien konnten bisher eindeutig identifiziert werden, da die Ergebnisse der modernen Forschungen oft mit den historischen Quellen nicht übereinstimmen. Einige Mumien wurden von Priestern schon zu altägyptischer Zeit umgebettet um vor Grabräubern besser geschützt zu sein. Dies hat uns zwar viele Mumien erhalten, jedoch kann man heute nicht davon ausgehen, dass die in einem Grab gefundene Mumie auch wirklich die des "Besitzers" des Grabes ist. Es bleibt auf jeden Fall spannend, was uns die moderene Mumienforschung noch bringt, denn durch sie können wir viele Rückschlüsse auf das damalige Leben der Menschen in Ägypten ziehen.
 
  


  
 

 

                                                                                    
Die Sonnenscheibe wurde als Gott Aton verehrt. Auf Darstellungen wird die Sonnenscheibe u. a. mit strahlenförmigen Armen dargestellt, die dem Pharao das Lebenszeichen Anch entgegenstrecken. Unter Pharao Echnaton (18. Dynastie) entstand der sogenannte Aton-Kult. Echnaton, der sich von Amenophis IV. auf den Namen Echnaton zu Ehren dieses Gottes umnennen ließ, erklärte Aton zum alleinigen Gott - eine völlig neue Weltansicht, die bestimmt nicht überall auf Gegenliebe gestoßen ist. Sogar eine neue Hauptstadt widmete dieser Pharao dem Gott: Achet-Aton, heute bekannt als El-Amarna. Nach dem Tod Echnatons führte Tutenchamun wieder die alte Religion ein und sagte sich vom Aton-Kult los. Auch die Hauptstadt wurde wieder nach Memphis zurückverlegt.